Weil ich nicht möcht' vergessen sein: Poesiealben in der Galerie im Rathaus Eppingen


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Poetische Erinnerung im Rathaus: Poesiealben zwischen Kindheit, Kunst und Kulturgeschichte
Die Ausstellung Weil ich nicht möcht' vergessen sein – Poesiealben, früher und heute lädt zu einer ebenso zarten wie kulturhistorisch aufschlussreichen Werkbetrachtung ein. Vom 22. Oktober 2026 bis 15. Januar 2027 verwandelt sich die Galerie im Eppinger Rathaus in einen Ort der Erinnerung, an dem Freundschaft, Handschrift, Bildsprache und persönliche Widmung aufeinander treffen.
Ein Alltagsobjekt mit erstaunlicher Tiefe
Das Poesiealbum erscheint auf den ersten Blick unscheinbar, entfaltet in der Ausstellung jedoch seine ganze ästhetische und soziale Kraft. Als Album der Freunde dokumentiert es seit Jahrhunderten Beziehungen, Übergänge und Wünsche. Sprüche, kleine Zeichnungen, getrocknete Blumen und sorgfältig gesetzte Zeilen machen sichtbar, wie sehr kulturelle Bildung auch im Privaten beginnt.
Vom Stammbuch zum Freundschaftsbuch
Die Ausstellung eröffnet einen kunsthistorisch klugen Blick auf die Entwicklung von der frühneuzeitlichen Sammlertradition des album amicorum bis zum modernen Freundschaftsbuch. Gerade dieser Wandel zeigt, wie sich Formen der Selbstdarstellung und des sozialen Austauschs im Laufe der Zeit verändert haben. Das Poesiealbum wird dabei zum Spiegel gesellschaftlicher Normen, von bürgerlicher Erziehung und von kindlicher Kreativität.
Handschrift, Ornament und persönliche Geste
Besonders eindrucksvoll ist die Materialität dieser kleinen Bücher: Papier, Tintenspuren, kalligrafische Zeilen, kolorierte Miniaturen und fragile Blumenfragmente erzeugen eine stille Ausstellungsatmosphäre. Wer genau hinsieht, entdeckt in den oft zierlichen Details eine Form von bildender Kunst im Kleinen. Die Sammlung zeigt, wie stark sich in diesen Objekten Emotion, Gestaltung und Erinnerung verschränken.
Ein Kunsterlebnis für Neugierige und Erinnerungsbewusste
Die Präsentation eignet sich für alle, die sich für Kulturgeschichte, Alltagskultur und museumspädagogische Perspektiven interessieren. Sie bietet einen idealen Zugang für Familien, Schulklassen und erwachsene Besucher, die die ästhetische Erfahrung eines historischen Mediums im Kontext heutiger Kommunikationsformen entdecken möchten. Gerade der Vergleich zwischen früheren Widmungen und heutigen digitalen Freundschaftsritualen öffnet neue Perspektiven auf das gesellschaftliche Miteinander.
Besuch, Öffnungszeiten und freier Eintritt
Geöffnet ist die Ausstellung zu den Rathauszeiten montags bis freitags von 8 bis 12 Uhr sowie donnerstags von 13:30 bis 17:30 Uhr. Der Eintritt ist frei. Damit wird die Schau zu einem niederschwelligen und zugleich anspruchsvollen Kunsterlebnis im Herzen Eppingens.
Fazit: Wer Kulturgeschichte lebendig, persönlich und berührend erleben möchte, findet in dieser Ausstellung einen stillen Schatz. Das Poesiealbum zeigt, wie wertvoll Erinnerung, Handschrift und kleine Zeichen der Zuwendung sein können. Ein Besuch vor Ort lohnt sich unbedingt.
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